Ein bisschen Sprachunterricht
Die Bewohner des Bayerischen Waldes bezeichnen sich als Waidler. Die Sprache der Waidler ist Bairisch. Sie merken wohl den Unterschied mit dem Y.Aber so ist das heut bei vielen Dingen, man nahm's halt früher nicht so genau mit der Schreibweise.
Im Bayerischen Wald wird Niederbairisch gesprochen. Allerdings sind die Färbungen sehr unterschiedlich. Während im "oberen" Bayerischen Wald schon das Oberpfälzische durchkommt, klingt die Sprache des südlichen Bayerischen Wald schon etwas nach dem oberösterreichischen oder mühlviertler Dialekt.
Aber eines ist sicher: Im Bayerischen Wald wird fast ausschließlich Dialekt gesprochen. Was nicht heißt, dass die Waidler des Schriftdeutschen nicht mächtig wären, das sind sie schon, auch wenn sie ihren Dialekt dabei nicht ganz ablegen. Der Waidler liebt seinen Dialekt und pflegt ihn.
Immerhin stellt Bairisch den größten Sprachraum Europas dar. Denn es wird Bayern, Österreich und Südtirol gesprochen.
Moing oder gua Moing heißt der Gruß am Morgen, mit etwas Phantasie entdeckt man auch den Morgen.
Wenn man sich tagsüber grüßt, so heißt es griaß de (grüß dich), griaß God (grüß Gott) oder griaß enk (grüß euch).
Sehr oft wird man das österreichische servus hören. Ein Gruß, der sowohl zur Begrüßung oder zum Abschied verwendet wird. Für beides eignet sich auch hawedehre (habe die Ehre).
Es ist nicht wahr, dass die Bayern das Bier nur aus Literkrügen tringen, aber wenn, dann ist das eine Mass. Sie bemerken die Schreibweise, denn es wird nicht mit einem doppel-S gesprochen. Wer trotzdem "ein Maß Bier" bestell, outet sich sofort als Nichtbayer und wird nur einen abschätzigen Blick ernten.
Den südlichen Bayerischen Wald durchziehen mehrere Dialektgrenzen. So hört man oft unterschiedliche Aussprachen.
So ist Breod und Broid das gleiche, nämlich Brot. Ein Glas Milch heißt a Glasl Mile.
Passiert dem Waidler ein Missgeschick, dann entschuldigt er sich kurz und bündig mit hobstaad oder hoitaus.
Wos megt's denn? Mit dieser Frage werden Sie im Wirthaus komfrontiert, wenn die Bedienung höflich fragt, was die denn gerne bestellen möchten.
Ein wenig verwirrend sind die Richtungsangaben. Wenn es aufwärts geht, dann heißt das affe, geht es abwärts, dann sagt der Waidler owe. Wobei es für beide Richtungen Kurzbegriffe gibt, die dann ai (aufwärts) und oi (abwärts) lauten.
Steht man jedoch schon unten und jemand noch oben, dann heißt es kim owa, bzw. kim affa, wenn man oben steht.
Verabschiedet sich der Waidler, dann sagt er pfiat de (Einzahl) oder pfiat enk (Mehrzahl).
Eine besondere Stellung hat das Wort fei. I mog de heißt ich mag dich.
Wird man mit i mog de fei angesprochen, dann ist das eine Steigerung.
Wobei fei nichts mit Liebe zu tun hat, denn man sagt auch i kim fei glei, wenn man gleich kommt. Fei verleiht dem Ausspruch also einen gewissen Nachdruck.
Der Waidlerdialekt ist eine melodische Sprache, die aus der Ruhe und Gelassenheit kommt,
mit der die Waidler das Leben nehmen, wie es kommt.
Ein liebenswürdiger Menschenschlag, bei dem man gerne Gast ist.
Erleben Sie es!
|